Kraftvoll, verführerisch, mitreißend: Tango zieht immer mehr Menschen in seinen Bann – ob sie nun Tango tanzen oder sich einfach nur von der Musik verzaubern und ins ferne Argentinien entführen lassen. Wer sich mit Tango beschäftigt wird sehr schnell auf den Namen Astor Piazzolla stoßen. Der argentinische Komponist und Bandoneonspieler hat dem modernen Tango den Siegeszug um die Welt ermöglicht – und er hat dafür gesorgt, dass das Instrument, das den Charakter des Tangos so unnachahmlich prägt, das Bandoneon, heute nicht vergessen ist.

Von Deutschland nach Argentinien und zurück
Am 11.März 2011 hätte Astor Piazzolla seinen 90. Geburtstag feiern können. Dies nehmen wir zum Anlass, in Alteiselfing ein Tangofestival ins Leben zu rufen. Denn was viele nicht wissen: Das Bandoneon „stammt“ ursprünglich aus Deutschland. Das Festival in Alteiselfing schließt also einen Kreis, der in Deutschland begann, und in dem der Argentinier Piazzolla dafür gesorgt hat, einen Teil der regionalen Kultur vor dem Vergessen zu bewahren. Mit dem Erinnern an diese Verdienste eines Großen der Musik hat ein kleines Dorf wie Alteiselfing die Chance, sich in diesem Kreislauf der Kultur einen wegweisenden Platz zu sichern. Piazzollas Verdienst: das Bandoneon „wiedererwecken“ Dieses Musikinstrument, das so argentinisch anmutete, war tatsächlich eine Erfindung eines deutschen Musikalienhändlers namens Heinrich Band (Krefeld 1848). Es wurde ausschließlich in Deutschland in der Nähe von Chemnitz gebaut, war bis etwa 1935 richtig populär und in den achtziger Jahren waren die alten Spieler mit ihren Instrumenten „verschollen“ ohne dass es eine Nachwuchsgeneration gegeben hätte.

Das Tangofestival will Astor Piazzolla ein Denkmal setzen – im übertragenen Sinne, aber auch ganz realistisch: Es besteht aus einem Schild, beidseitig bedruckt, in der Form und Größe eines herkömmlichen Straßenschildes und einer aufgesetzten kleineren Tafel mit den Lebensdaten. Die Aufschrift lautet „Piazzollaweg“. Es wird wie ein Straßenschild in einer Einfahrt des Grundstücks 83549 Eiselfing Kirchenweg 1, OT Alteiselfing aufgestellt. Diese Form wurde gewählt, weil der „Weg“ auf einen individuellen Lebensweg verweist, der auch für einen Künstler wie Piazzolla alles andere als einfach verlief. In seiner Biographie schreibt er, dass ihn, der als Achtzehnjäriger seinen Lebensunterhalt als Bandoneonist im berühmten Tangoorchester von Anibal Troilo verdienen konnte, erst die Kompositionslehrerin Nadia Boulanger in Paris (Stipendium 1954-55) mit den musikalischen Wurzeln des Tango Argentino versöhnt hat. Die früheren Versuche dem Tango ein eigenes Gepräge zu geben waren gescheitert und wurden vom argentinischen Tangopublikum heftig geschmäht. Er ist 1974 nach Rom übergesiedelt und mußte erst seine Anhänger in Europa finden, bis ihm in Buenos Aires gegen Ende seines Lebens, er starb 1992, der Triumph einer weltweiten Popularität vergönnt war.

Tango im Oberland
Der Tango wird auf die Stimmung und den Rhythmus der Melodie getanzt. Das ist einzigartig und gibt den Tänzern schon fast choreographische Möglichkeiten mit einem eigenen Rhythmus die Musik zu empfinden. Und es zeigt sich schon länger, dass diese Musik nicht nur ein klassischer argentinischer Tango sein muss. Die Schritte, ob in Alteiselfing, München, Berlin, Warschau oder Buenos Aires, aber gleichen sich ziemlich.

 

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